Der Jonas Treff hilft gegen Einsamkeit und Leere

Beim Jonas-Treff in Rapperswil-Jona kommen seit rund zehn Jahren seelisch belastete Menschen zusammen, die Geselligkeit, Kontakte und Anregung suchen. Das Angebot ist eine Erfolgsgeschichte.
von Elvira Jäger für die Linth-Zeitung Südostschweiz

Drei Frauen und zwei Männer sitzen in weichen Polstersesseln, auf den niedrigen Tischchen stehen Kaffeetassen und Wassergläser. Eine Frau erzählt von einer Töfftour, eine andere von ihrem
neugeborenen Enkelkind. Hille Baldinger schneidet ihren selbst gebackenen Rhabarberkuchen in Stücke und serviert. Baldinger ist eine von zwölf Freiwilligen, die sich in der Betreuung der Gäste des Jonas Treffs im evangelischen Zentrum Rapperswil abwechseln. Sie ist seit dem Anfang dabei, ihre Backkünste sind legendär.
Die Idee zu einem Treffpunkt für seelisch belastete Menschen hatte vor zehn Jahren Markus Knoblauch, damals Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona und ehemaliger Chefarzt des Spitals Männedorf. Die Ausgrenzung von Menschen mit psychischen
Problemen habe ihn stark beschäftigt, erzählt Knoblauch. Nachdem er einige Angebote im Kanton Zürich angeschaut hatte, trat er mit der Idee eines regelmässigen, zwanglosen, konfessionell neutralen Treffpunkts ans Psychiatrie-Zentrum Linthgebiet heran. Dort stiess er sofort auf offene
Ohren.

Zwei Treffen pro Woche
2009 fanden die ersten Begegnungen im Jonas Treff statt. Bei zwei Treffen pro Woche sind in den letzten zehn Jahren fast tausend Begegnungsnachmittage daraus geworden. Im Namen steckt neben dem Ortsnamen Jona auch der biblische Jonas, ein verzweifelter und von Gott geprüfter Depressiver avant la lettre.
Trägerin ist die Kirchgemeinde, die einen Raum im evangelischen Zentrum Rapperswil zur Verfügung stellt und einen finanziellen Beitrag leistet. Auch die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die jeweils für Speis und Trank sorgen, stammen aus ihren Reihen. Vom Psychiatrie-Zentrum ist bei jedem Treffen eine Fachperson anwesend, und als psychiatrischer Konsiliarius steht Christoph Profos zur Verfügung.
Für die Teilnehmer ist der Nachmittag kostenlos.

Lange Krankheitsgeschichte
Nach einer Stunde sitzen an diesem Donnerstagnachmittag vier Frauen und drei Männer am Tisch, eine junge Frau ist eben aufgebrochen. In wenigen Tagen wird sie eine Vollzeit-Arbeitsstelle antreten, die erste seit Jahren. Sie sei ziemlich nervös und habe noch sehr viel zu tun, sagt sie, bevor sie geht. Sozialarbeiterin Cornelia Schmid vom Psychiatrie-Zentrum nickt ihr zum Abschied aufmunternd zu.

Der Älteste in der Runde ist 90, ein gepflegter Herr mit wachem Geist, den man mindestens zehn Jahre jünger schätzt. Er komme hierher, weil er sich sehr einsam fühle, seit seine Frau und viele seiner Freunde und Nachbarn gestorben seien, erzählt er. Die Pro Senectute habe ihn auf den Jonas
Treff aufmerksam gemacht.
Alle, die hier sind, haben eine lange Krankengeschichte hinter sich, waren schon in Kliniken, doch darum soll es im Jonas Treff nicht gehen. Sie komme, seit es den Treff gebe, erzählt eine Frau. «Die zwei Nachmittage geben meiner Woche Struktur.» Andere Teilnehmer haben das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Gesprächen. «Die Leute können kommen und gehen, wann und wie sie wollen», erklärt Knoblauch. Die Teilnehmer schätzten es, dass niemand etwas von ihnen verlange. «Sie müssen nicht kochen, nicht basteln und keine Therapiegespräche führen», sagt Knoblauch und schmunzelt. Spiele und der Computer, die man anfangs in den Raum stellte, sind längst weggeräumt. Einzig der Töggelikasten wird eifrig benutzt. Am Anfang kamen pro Nachmittag drei bis vier Personen, heute sind es im Schnitt zwölf. Doch trotz der Niederschwelligkeit des Angebots, schaffen nicht alle den Schritt problemlos. Eine Frau brauchte 22 Anläufe, bis sie sich hineintraute. Drogenabhängige oder Alkoholiker sind nicht zugelassen. Schwierige Situationen gab es ab und zu, bedroht fühlen musste sich in all den Jahren aber niemand. Im Notfall stünde das Psychiatrie-Zentrum Rapperswil-Jona bereit.

Auch Migranten kommen
Die meisten Besucher des Treffs kommen über Ärzte oder das Psychiatrie-Zentrum Linthgebiet, nur wenige finden den Weg aus eigenem Antrieb. Inzwischen bilden sich auch ausserhalb der beiden Nachmittage Grüppchen, die Kontakt pflegen. Knoblauch, der sich Angebote wie den Jonas Treff auch in anderen grösseren Ortschaften wünscht, wertet das als Erfolg. In den letzten Jahren seien vermehrt Migranten und damit auch Menschen muslimischen Glaubens gekommen. Auch das freut den Spiritus Rector des Jonas Treffs: «Wir wollten und wollen nie missionieren. Den Ton geben die
Menschen an, die hier herkommen.»

Zeitungsbericht: Linth-Zeitung Südostschweiz

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