Psalmen und Chansons der Reformation

Rapperswil: Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona lud am letzten Freitag zu einem Gesprächskonzert in die evangelische Kirche. Thema war der Genfer Psalter.

Der Reformator Jean Calvin (1509-1564), fand in den Psalmen Trost, Hoffnung und Wegweisung. Sein Herzensanliegen war es, die «150 Psalmen Davids» unters Volk zu bringen. Wie das geschah und was für Auswirkungen es für die Reformation hatte, erläuterte der Theologe Hans-Jürg Stefan mit Bildern, Texten und Noten. Die Idee zum Genfer Psalter, dem Gesamtwerk der Psalmengesänge, sei von Calvin ausgegangen. Die 150 Psalmen zu übersetzen und zu intonieren sei ein fortlaufendes Werk gewesen, bis dann zuletzt um 1562, der Genfer Psalter entstanden sei, erklärte der Referent. Dabei hätten Clement Marot und Theodore de Bèze viele Texte beigetragen. Die Melodien seien aus den gregorianischen Gesängen heraus entstanden und nicht aus Volksmelodien. Hans-Jürg Stefan zeigte an Beispielen die Mehrstimmigkeit auf. Um es selbst zu erleben, sangen die Anwesenden gemeinsam den Psalm 118.
Hans-Jürg Stefan zeigte auf, dass es im Gesamtkunstwerk verschiedene Variationen gibt. Da sei zum Beispiel die mehrstimmige Hausmusik. So sei es früher üblich gewesen, in der Kirche immer einstimmig und zu Hause mehrstimmig zu singen. Mit Marguerite d`Angoulème (1492-1549) seien die «Chansons spirituelles» entstanden, geistliche Lieder, die die unmittelbare Beziehung zu Gott aufzeigen. Die Künstlerin habe damit bezeugen wollen, dass sie in allem frei und nur Gott unterstellt sei. Eine andere Möglichkeit ist auch die Contra Facta, erklärte der Referent. Dabei geht es um die Umtextierung von Chansons vom weltlichen zu geistlichem Text.     
Faszinierender Gesang
Die Ausführungen wurden original vom Ensemble «chant 1450» umgesetzt. Die Sängerin und drei Sänger (der Countertenor war krankheitshalber nicht dabei) überzeugten mit ihren ausgeglichenen Stimmen, ihrer Innigkeit des Singens und der Interpretation der Werke. Ihr Gesang war klangvoll, dynamisch variantenreich und erfüllte den akustisch hervorragenden Raum mit den herrlichen Melodien und Harmonien. Es war wahrlich Lobgesang zu Ehren Gottes. Die Stimmen waren klar und rein und konnten im Gesamtklang einzeln verfolgt werden. Man spürte   übereinstimmende Ergriffenheit und Intensität, es wareine überragende, einmalige Darstellung der Schönheit dieser Gesänge. Es waren Lieder aus allen Sparten des Psalters die einen Überblick über das Werk gaben, das für die Reformation einen riesigen Einfluss hat. Die Gesänge sind in fast alle Kirchengesangbücher eingeflossen.
Orgel als Rahmen
Organist Davide De Zotti eröffnete den Abend mit der Fantasia a 3 von Jan Pieterszoon Sweelink und schloss den Rahmen der Veranstaltung mit dem Psalm 24 für grosse Orgel von Anthoni van Noordt. Daneben begleitete er mit dem Positiv den Gesang des «chant 1450» auf hervorragende Weise und unterstützte damit die Interpretationen instrumental.

«chant 1450» mit (von links) Witte Maria Weber, Sopran, Daniel Manhart, Tenor, Simon McHale, Bariton und Jedediah Allen, Bass überzeugte mit seinem hervorragenden Klang ein begeistertes Publikum.

Sie gestalteten gemeinsam den erfolgreichen Abend unter dem Titel «Psalmen und Chansons der Reformation». (von links) Jedediah Allen, Bass, Witte Maria Weber, Sopran, Davide De Zotti, Orgel, Simon McHale, Bariton, Daniel Manhart, Tenor, Hans-Jürg Stefan, Referent. (Die Sängerin und die Sänger bilden gemeinsam «chant 1450»)

Text und Bild: Hansjakob Becker

 

Rapperswil: Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona lud am letzten Freitag zu einem Gesprächskonzert in die evangelische Kirche. Thema war der Genfer Psalter.

Zurück