Zwingli Musical

RAPPERSWIL  Science Fiction im Evangelischen Kirchenzentrum Rapperswil: Anlässlich der Première des Zwingli-Musicals «Tuond umb Gotzwillen etwas dapfers!» am Freitagabend stand auf der Bühne eine Zeitmaschine aus dem Jahr 3017.

In der Zeitmaschine zurück zu Zwingli
Die Zeitmaschine war vielleicht nicht wirklich fahrtauglich, aber dafür blinkte, klingelte, rauchte und hupte sie umso mehr. Ihr entstiegen – so der Inhalt des Musicals – Zeitreisende, die eigentlich zu Zwingli hatten reisen wollen und nun aus Versehen ins Sommerlager der evangelischen Kirchgemeinde Rapperswil-Jona hineingeplatzt waren. Nun, das passte ganz gut, denn die diesjährigen Erlebnistage waren ebenfalls Zwingli gewidmet (logisch, denn sowohl im Jahr 3017 als auch im Jahr 2017 wird das Reformationsjubiläum gefeiert). Also reisten denn alle zusammen weiter zurück in die Vergangenheit. Dort erlebten sie live mit, wie der berühmte Reformator die Rapperswiler Predigt hielt, wie beim Wurstessen gegen das geltende Abstinenzgebot während der Fastenzeit verstossen wurde, wie Zwingli, gespielt von Christos Papadopoulos, aus seiner deutschen Bibelübersetzung vorlas und wie er heiratete. Natürlich wunderten sich die Kinder der Erlebnistage über diese von der Erwachsenentheatergruppe fast schon professionell dargestellte fremde Welt und stellten ihren – sehr gut informierten – Leitern viele Fragen zu Zwingli und seiner Zeit. So kam natürlich gleichzeitig auch das Publikum in den Genuss einer abwechslungsreichen Geschichtslektion über die Zürcher Reformation.
Diese Theaterszenen wurden immer wieder aufgelockert durch dazu passende Songs, die der altersdurchmischte Chor und die tolle Band fröhlich und fidel zum Besten gaben, wie etwa denjenigen über das Hebräische: «Aleph, bet und gimmel, dalet, he he he – oh Mann, ist das Hebräisch schwer …». Das Publikum hätte sich bestimmt über weitere Zwingli-Lebensstationen gefreut, doch der Zeitmaschine ging der «Pfuus» aus, sodass die Zeitreisenden ihr Abenteuer abbrechen und heimkehren mussten. Zu blöd, die Kinder hatten sich schon gefreut, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen …
Nicht nur die Zeitmaschine war ein Spektakel, sondern das ganze Musical «Tuond umb Gotzwillen etwas dapfers!», das auf Andrew Bonds Zwingli-Musical basiert. Zwei Theatergruppen, der Chor und die Band mussten koordiniert und die Bedürfnisse von Gross und Klein – die Altersspanne betrug fast 70 Jahre – unter einen Hut gebracht werden. Da war Mut gefordert, wie Diakon Matthias Bertschi, der die Gesamtleitung innehatte, im Nachhinein zugab, und sicherlich auch Kreativität. Doch er und sein Team (Regisseur Christos Papadopoulos, Chorleiterin Hélène Scheidegger, Bandleader Roger Näf und Claudia Rieben, die für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich zeichnete) leisteten Grosses – oder «Tapferes». Sie stellten ein Mehrgenerationenprojekt auf die Beine, wie es die evangelische Kirchgemeinde Rapperswil-Jona bisher noch nie erlebt hatte, bei dem während Monaten Kinder ab der ersten Klasse bis zu über siebzigjährige Seniorinnen und Senioren zusammenwirkten. Deren Freude und Motivation beflügelten denn auch das Leiterteam immer wieder von neuem und übertrugen sich bei der Aufführung auf das ganze Publikum im gut besetzten Saal.

Bericht: Johanna Krapf
Fotos: Stefan Braun

Science Fiction im Evangelischen Kirchenzentrum Rapperswil: Anlässlich der Première des Zwingli-Musicals «Tuond umb Gotzwillen etwas dapfers!» am Freitagabend stand auf der Bühne eine Zeitmaschine aus dem Jahr 3017.

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