Frauenfrühstück

Am überkonfessionellen Frühstücktreffen für Frauen Rapperswil-Jona im Evangelischen Zentrum Rapperswil referierte Andrea Sorg lebensnah, berührend und tiefgründig zum Thema Vergebung. Es flossen gar Tränen…

Ein interessanter Vortrag, gut dotierter Büchertisch und reichhaltiges Frühstück lockten die rund achtzig Besucherinnen vergangenen Samstagmorgen von nah und fern ins Evangelische Zentrum Rapperswil. Gekonnt spielte Primarlehrerin Beate Schäfer am Flügel mit Tochter Debora und Schüler Anton Heinemeier mit dem Militärmarsch von Schubert in vierhändiger Variation, mit Puck von Edvard Grieg und der Mozart-Sonate in C-Dur auf. Beim Frühstück und Gespräch stimmten sich die Gäste auf den Vortrag zum Thema "Vergebung" ein – ein Referat, das unter die Haut ging.

Ein Rucksack voll Lasten

Die Referentin und gelernte Krankenschwester Andrea Sorg führte in Deutschland eine Praxis für Psychotherapie, bevor sie mit ihrem Mann in die Schweiz kam. Gezeichnet von einem schweren Familienschicksal berichtete sie, was es heisst, Sorgen und Lasten mit sich herumzutragen. Kleine Begebenheiten können laut Sorg schon zu Konflikten führen und sich mit der Zeit zu echten Belastungen auswachsen: Mal sei es eine Tochter, die sich längere Zeit nicht meldet, ein eigenwilliger Schwiegersohn oder der eigene Mann, der abends gerne vor dem Fernseher sitzt. Gemäss Referentin reagiert der Körper auf solche Stresssituationen häufig mit Bauch-, Nacken- und Rückenschmerzen oder Schlaflosigkeit und sendet Warnsignale.

Wie entstehen Konflikte?

Laut Sorg beeinflussen früheste Prägungen in der Kindheit den eigenen Umgang mit Konflikten". Mit Beispielen erläuterte sie den Vorgang.  Die Kinderseele verschliesse sich bei schweren Übergriffen oder nehme den Zustand als Normalität an. Ein Kind könne seine eigene Familie schliesslich nicht einfach "verraten". In sogenannte Fassadenfamilien herrschten im Verborgenen öfters Gewalt und Übergriffe. In Alkoholiker-Familien lerne das Kind früh, sich leise und unauffällig zu verhalten, seine eigenen Wünsche und Gefühle zu unterdrücken. Als Erwachsene entwickeln solche Menschen gemäss Sorg oft ein "Helfersyndrom". Das sei Stoff, aus dem Konflikte wachsen. Heftige emotionale Reaktionen würden vielmals auf verborgene Konfliktfelder hinweisen.

Ein Konfliktfeld darf nicht zum Lebensstil werden

Jeder könne sich selbst prüfen, indem er sich folgende Frage stellt: "Wo übernehme ich Dinge, für die andere zuständig oder verantwortlich sind?"  Sie rät:  Sich zu outen, den Konflikt zu benennen statt tot zu schweigen, Verständnisfrage zu stellen, auf Rechtfertigungen zu verzichten. Unrecht und Schuld gehören ihrer Meinung nach auf den Tisch und vor Gott. Denn nur die Wahrheit mache frei.  Es gelte Enttäuschungen zuzugeben, Erwartungshaltungen zu korrigieren. Schuld zu vergeben. "Aber wie überlebt man eine solche Krise und Konflikt?" , fragte Sorg in die Runde und antwortete gleich selbst: "Indem man Schuld und Hassgefühle loslässt und die Gerechtigkeit und Rache Gott überlässt gemäss dem Vaterunser, das besagt: "Denn wenn ich vergebe, wird auch mir vergeben!" Natürlich brauche es Zeit bis innere Verletzungen heilen:  Einen Rufmord, Seitensprung, Missbrauch stecke man nicht einfach so weg. Ärger und Bitterkeit dürften sich aber nicht festfressen . Hier appellierte sie an die Selbstverantwortung jedes Einzelnen, mit sich selbst und  mit Gottes Hilfe ins Reine zu kommen.

Bericht: Antoinette Lüchiger

Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen.
Am überkonfessionellen Frühstücktreffen für Frauen Rapperswil-Jona im Evangelischen Zentrum Rapperswil referierte Andrea Sorg lebensnah, berührend und tiefgründig zum Thema Vergebung. Es flossen gar Tränen…

Zurück