Christen im Land des Drachens

Heinz Fäh, Pfarrer der Evang.-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona, befasste sich in seinem Vortrag mit der Frage, weshalb Menschen in China zum Christentum wechseln.

Als Vorbereitung auf die geplante Chinareise der Kirchgemeinde im April 2016 besuchten Interessierte letztes Jahr eine chinesische Gemeinde in Zürich, trafen Gemeindeleiter aus China in Rapperswil und genossen einen informativen Vortrag zur heutigen Situation der Christen in China.

Christliche Gemeinden in Bedrängnis

«Christliche Gemeinden in China sind in letzter Zeit wieder in Bedrängnis», so Pfarrer Heinz Fäh. Kreuze seien demontiert und Kirchen enteignet worden – natürlich alles unter legalem Anstrich. Die China Reisenden würden ein eher repressives Klima und verunsicherte Christen vorfinden.

Die Gemeinden stehen wieder vor einem Umbruch und es werden Erinnerungen wach an andere Zeiten während der Kulturrevolution (1966-76) und an einen der ersten christlichen Märtyrer des 20. Jahrhunderts in China: Wang Zhiming aus Wuding in Yunnan (1907-1973), ein chinesischer Pfarrer protestantischer Konfession, der während der Kulturrevolution 1973 als Märtyrer ums Leben kam. Wang besuchte eine Missionsschule und war zehn Jahre als Lehrer tätig. 1944 wurde er Vorsitzender des Kirchenrats in Wuding und 1951 im Alter von 44 Jahren zum Pfarrer geweiht. In den 1950er Jahren war Wang einer der sechs christlichen Miao-Führer, die nach einer kommunistischen Schulung und einem Besuch bei Mao Zedong in Peking die Anforderungen der neuen kommunistischen Führung im protestantisch-kirchlichen Bereich, das sog. «Drei-Selbst-Manifest» unterzeichnete: das Prinzip der Selbstverwaltung, der Selbsterhaltung (keine finanzielle Hilfe aus dem Ausland) und der Selbstmissionierung (keine ausländischen Missionare). Allerdings verweigerte Wang seine Teilnahme an öffentlichen Herabwürdigungen von Grundbesitzern, was ihm den Ruf eines Konterrevolutionärs eintrug. Am 29.12.1973 wurde er vom Volkstribunal in einem dreitätigen Schauprozess verurteilt und vor 10000 Leuten in einem Sportstadion exekutiert. 1980 wurde Wang von der Regierung rehabilitiert und seine Familie entschädigt.

Explosives Wachstum der christlichen Gemeinden

Trotz dieser Repressionen erlebt das Christentum in China in jüngster Zeit eine enorme Ausbreitung. Jürgen Kahl schreibt in der NZZ vom 7.7.2015: Auf der Suche nach Spiritualität und geistig-moralischer Orientierung entdeckt seit einiger Zeit eine wachsende Zahl von Chinesen, vor allem aus der intellektuellen Mittelschicht, die christliche Lehre für sich. Auch Pfarrer Fäh bestätigt diesen Eindruck. Hat er doch letztes Jahr den Süden Chinas bereist und verschiedene christliche Gemeinden besucht. Folge man den Schätzungen, die je nach den Erfassungskriterien weit auseinandergehen, gebe es in China heute annähernd 67 Millionen Protestanten.

Gründe für die Ausbreitung des Christentums

Laut Pfarrer Fäh erfüllen die christlichen Kirchen zunehmend soziale Funktionen. Viele – darunter viele Junge fühlen sich alleine gelassen und eingeengt in ihrer Lebenssituation. Aufgrund der jahrelangen 1-Kind-Politik zerfielen die Grossfamilienstrukturen in China zusehends – das frühere soziale Auffangnetz. In der Kirche finden sie Solidarität, Geborgenheit, Frieden und Hilfe in Not und Krankheit nebst geistlicher Orientierung und Spiritualität.

Heinz Fäh, Pfarrer der Evang.-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona, befasste sich in seinem Vortrag mit der Frage, weshalb Menschen in China zum Christentum wechseln.

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