Text: Belinda Dietziker | Foto: AdobeStock / KI
«Bhüet di Gott!» – dieser Segensgruss klang für mich lange veraltet. Mit den Jahren ist er mir ans Herz gewachsen. Heute gehört es zu meinen liebsten Aufgaben als Pfarrerin, Menschen zu segnen – im Gottesdienst, bei einer Taufe,
Konfirmation, Trauung oder im persönlichen Gespräch.
Segen ist mehr als ein schöner Wunsch. Segen ist ein zugesprochenes Wort Gottes, das trägt, Hoffnung weckt und stärkt. Die Bibel beschreibt Segen ganzheitlich: Er zeigt sich dort, wo Leben wächst und aufblüht – in Beziehungen, im Alltag, in Gemeinschaft. Segen schenkt Kraft, Schutz, Frieden und Gnade, richtet auf und bewahrt.
Ich kann ihn mir nicht selbst geben; er ist Geschenk – von Gott, der ohne Bedingungen segnet. Ich kann jederzeit um Segen bitten. Es ist mein Eingeständnis, dass ich begrenzt und bedürftig bin: Ich schaffe in meinem Leben nicht alles aus eigener Kraft. Vieles in meinem Leben ist Geschenk.
Wenn ich segne oder gesegnet werde, öffne ich mich für Gottes Zuspruch. Ich vertraue darauf, dass Gott es gut mit mir meint und dass er mir seine Begleitung, Führung und seinen Schutz zuspricht. Dieser Zuspruch kann stärken, Ängste lösen und inneren Frieden schenken. Ich erlebe dabei, wie Ruhe in mir einkehrt, wie ich aufatmen kann und hoffnungsvoller weitergehe. Die empfangene Kraft bleibt nicht bei mir, sondern wirkt weiter – indem ich selbst zum Segen für andere werde.
Solche Segensmomente berühren mich immer wieder. Zu erleben, wie Menschen durch Gottes Wort neue Kraft schöpfen, bewegt mich tief. Segen spenden und empfangen zu dürfen, ist für mich ein einzigartiges Geschenk, das ich so an keinem anderen Ort erfahre.
Gott segnet und behütet Dich. Gott lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig. Gott wendet dir sein Angesicht freundlich zu und schenkt dir seinen Frieden.
(aaronitischer Segen aus 4. Mose 6,24–26)