Text: Pedro Rodrigues | Foto: Canva AI Elements Lab
Ich erinnere mich, wie ich als Zwölfjähriger zum ersten Mal den Religionsunterricht besuchte. Meine Freunde erzählten vom Sozialdiakon, der ein «geiler Siech» sei und schwärmten von einer Abschlussreise. Meine Motivation: Die Abschlussreise. Von der Reise blieb im Nachhinein nicht viel hängen, wohl aber der Sozialdiakon: Wie er mit viel Liebe und Geduld auf uns einging, unsere Fragen ernst nahm und seine Begeisterung für Jesus teilte. Er prägte mich nachhaltig. Heute bin ich selbst Sozialdiakon und darf Religionsunterricht geben.
Der Unterricht bot damals und heute noch Raum für die grossen Fragen und Themen des Lebens. Neugier auf Gott und die Welt wird geweckt. Die eigenen Glaubensüberzeugungen werden erprobt. Für viele Schülerinnen und Schüler ist es die erste Gelegenheit, Gedanken über Gott und den Sinn des Lebens in Worte zu fassen. Ein zentraler Bestandteil sind die Geschichten der Bibel: Sie vermitteln Werte wie Nächstenliebe, Vergebung und Hoffnung, die unsere Kultur bis heute prägen. Im Unterricht entdecken die Schülerinnen und Schüler diese alten Schätze neu und beziehen sie auf ihren Alltag.
Der Religionsunterricht schafft zudem echte Begegnungen. Dies keineswegs nur für die Schülerinnen und Schüler: Auch Eltern, Lehrpersonen und weitere Bezugspersonen kommen über den Kontakt mit den Religionslehrkräften mit dem Glauben, der Kirche und vielleicht mit Gott in Berührung. Solche Begegnungen eröffnen neue Perspektiven, regen zum Nachdenken an. Wecken vielleicht sogar die Sehnsucht nach Gott.
Deshalb bedeutet für mich persönlich Religionsunterricht vor allem eines: Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Ich wünsche mir, dass unsere Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg Gott besser kennenlernen und erfahren dürfen, dass der christliche Glaube auch heute eine lebendige und tragende Kraft im Leben sein kann. Das wünsche ich auch Ihnen.