Ein Kreuz mit Durchblick

Ehemalige Zisterzienserabtei San Galgano in der Toscana, Italien.

«Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Den, der von keiner Sünde wusste, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.»
2.Korintherbrief 20c.21.

Ein Kreuz mit Durchblick – der Gegensatz von festgefügten Steinen und offenem Dach – mit freiem Blick zum Himmel – überraschend, neu, erfrischend anders. Wie ein Aufbrechen alter, festgefügter Strukturen – ein Ineinander von Karfreitag und Ostern, von Kreuz und Auferstehungswirklichkeit. Der Fotograf hatte diesen Ausblick von unten, wohl auf dem Rücken liegend. Jesus am Kreuz hatte diesen österlichen Ausblick damals bestenfalls im Glauben. Kann dies ein Bild der Hoffnung für uns sein? Was Paulus im 2.Korintherbrief schreibt, setzt voraus, dass wir vor Gott niemals aus eigener Kraft gerecht werden können. Und es stimmt ja: Wir können faktisch nicht leben, ohne, dass andere an uns und für uns leiden. Unsere Liebe bleibt immer mit Hass vermischt. Unser Glaube wird immer ein an Zweifel oder Unglauben gebrochener bleiben. Unseren Kindern werden wir beim besten Willen nicht nur Gutes mitgeben und hinterlassen. In unseren Beziehungen sind wir nicht so fest und unerschütterlich, wie wir gerne möchten. Und unser Lebensstil zerstört unweigerlich natürliche Lebensgrundlagen.
Das Geheimnis des Kreuzes Jesu besteht darin, dass er unser aller Schuld, sowohl anderen Menschen wie auch Gott gegenüber, tilgt und selbst jene Vergehen sühnt, die von keinem menschlichen Gericht bestraft werden können. Jesus ist zwar so gestorben, wie auch wir einmal sterben werden, der Unterschied besteht darin, dass er für uns gestorben ist –
damit wir leben werden. Getragen von diesem Glauben kann das obige Bild tatsächlich unser Hoffnungsbild werden – für uns persönlich – für uns als Gemeinde und als Kirche insgesamt. ■

Text: Pfarrer Hanspeter Aschmann | Foto: Adobe Stock

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