Vorbereitung «Akte Zwingli» – ein Oratorium zur Feier des Reformationsjahres

RAPPERSWIL  Die Kantorei Rapperswil-Jona und ihr Dirigent Davide De Zotti führen zur Feier des Reformationsjahres das Oratorium «Akte Zwingli» von Christoph Sigrist und Hans-Jürgen Hufeisen auf.

Die Spannung in der Kantorei Rapperswil-Jona und bei ihrem Dirigenten Davide De Zotti wächst von Woche zu Woche, denn am 26. Mai ist es endlich soweit: Das Oratorium «Akte Zwingli» kommt in der evangelischen Kirche Rapperswil zur Aufführung. Der Startschuss des Projekts aber fiel schon im letzten Oktober, anlässlich einer Singwoche, und seither wird, mit kurzen Unterbrüchen, intensiv dafür geprobt.
Die Initialzündung zu diesem Zwingli-Werk liegt über fünf Jahre zurück, als sich der Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist und der Komponist und Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen zum ersten Mal darüber austauschten. Und aus der Idee ist nun ein Oratorium geworden, dessen von Sigrist verfasstes Libretto auf Textausschnitten aus seinem Roman «Anna Reinhart und Ulrich Zwingli» basiert und für dessen musikalische Umsetzung Hufeisen eigene Motive, volksliedhafte Melodien und Choräle zu einem Ganzen verknüpft hat. Das Oratorium zeichnet Geschehnisse aus Zwinglis Leben nach, die – aus der Perspektive seiner Frau Anna Reinhart – in einer einfachen Sprache erzählt werden. Am Anfang steht Zwinglis Tod, und dann hält Anna Reinhart in ihrem fiktiven Tagebuch eine Art Zwiesprache mit ihrem geliebten Mann. So malt sie das Bild eines kreativen, von Zweifeln geplagten, empfindsamen Menschen, der so gar nicht dem lustfeindlichen und streitbaren Reformator, auf den Zwingli meist reduziert wird, entspricht.
Hufeisen hat diese Geschichte sehr vielschichtig in Musik umgesetzt. «Die musikalische Gestaltung des gesprochenen Wortes», so De Zotti, «hat zu einem faszinierenden Spannungsfeld geführt.» Der Sprecher (Christoph Sigrist), die Mezzosopranistin Sarah Widmer als Anna Reinhart, der Tenor Daniel Camille Bentz als Zwingli, der Chor und das Vokalensemble Sangis wechseln sich ständig ab oder überlappen sich zuweilen. «Deshalb ist von allen eine sehr grosse Präsenz gefordert», fügt De Zotti an. Als Höhepunkte nennt er unter anderen die Vertonung von Psalm 23 («Der Herr hirtet mich») und das eindrückliche Pest-Lied, dessen Text und Melodie auf Zwingli zurückgehen. Aber auch das zweichörige Streit-Lied, in welchem die Kantorei und das Vokalensemble als Zwingli- beziehungsweise Lutherchor gegeneinander ansingen, und das letzte Stück «Unser Herz brennt für dich» berühren. De Zotti umreisst Hufeisens Kompositionsweise folgendermassen: «Ein harmonisch schwebendes Leitmotiv wird erweitert durch melodische und rhythmische Elemente», mit anderen Worten, eine bestimmte Tonfolge kommt in abgewandelter Form immer wieder vor, eingebettet in unterschiedliche Rhythmen und in eingängliche, volksliedhafte Melodien. Gerade diese Einflüsse aus der Volksmusik – und die einfache Sprache, in der das Oratorium verfasst ist – mögen dazu führen, dass es auf Anhieb Gefallen findet und verstanden wird. Ob es das Reformationsjahr überdauert, muss sich allerdings noch weisen.
Dazu machen sich der Dirigent und die gut vierzig Sängerinnen und Sänger der Kantorei und des Vokalensembles im Moment keine Gedanken, denn sie sind genug gefordert, dem Werk seinen letzten Schliff zu verpassen, zumal Hufeisen, der selber die Flöte spielen wird, und die anderen Musiker erstmals am Vortag des Konzerts mitproben können. «Wir sind ja flexibel, nicht wahr?», meint De Zotti schmunzelnd.

«Akte Zwingli», Szenisches Oratorium
Evangelische Kirche Rapperswil
26. Mai, 20.30 Uhr

Bericht: Jahanna Krapf | Fotos: Elimar Frank

Die Kantorei Rapperswil-Jona und ihr Dirigent Davide De Zotti führen zur Feier des Reformationsjahres das Oratorium «Akte Zwingli» von Christoph Sigrist und Hans-Jürgen Hufeisen auf.

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