Die Johannespassion und die Kantorei

Vergangenen Karfreitag wagte sich die Kantorei Rapperswil-Jona vor voller Kirche an dieses gewaltige, 2-stündige Werk von Johann Sebastian Bach mit seiner Dramatik, Harmonik und Farbigkeit.

Die Arien und Choräle mit Textauszügen aus dem 18. und 19. Kapitel des Johannesevangeliums sind laut Programmheft ein einziger grosser Lobpreis auf Gottes Heilsplan und Christi Vorherbestimmung. Das in fünf Szenen gegliederte Werk beginnt mit der dramatischen Gefangennahme Jesu, schildert die Verleugnung des Petrus, Jesus vor Pilatus, die Kreuzigung und den Tod Jesu sowie die Grablegung. Dabei setzen die Choräle an bedeutsamen Stellen ein und kommentieren die Handlung aus Sicht der betenden Gemeinde oder als Volksmenge. Die Kantorei Rapperswil-Jona verstand es, dies ausdrucksvoll umzusetzen.

Dramatik

Kraftvoll, mehrstimmig – wie ein Aufschrei – setzte der Chor zu Beginn mit drei gewaltigen Rufen und dem Choral «Herr, unser Herrscher» ein. Das Cembalo, gespielt von Martin-Ulrich Brunner, unterstrich den barocken Hintergrund des Werkes (1721). Im Wechselgesang zwischen Solisten und Chor ging es weiter. Nino Aurelio Gmünder überzeugte mit seiner kraftvollen Tenorstimme und trat als Evangelist aus der Sicht des Erzählers auf, der Bass (Reinhard Strebel) verkörperte Jesus und Bariton Samuel Zünd Pilatus. Bach erreichte mit seinen Turba-Chören höchste Dramatik. Diese gipfelte bei der Verurteilung Jesu mit dem Schrei der aufgebrachten Menge «kreuzige, kreuzige ihn» und endete nach der Grablegung mit der Verherrlichung Christi. Sehr eindrücklich und bewegend waren auch die verschiedenen Gesangssoli: Insbesondere die beiden Soli «Es ist vollbracht» mit den wunderschönen Koloraturen und der ergreifende Klagegesang «Mein Jesus ist tot» von Katja Bertschinger virtuos und mit gehaltvoller Sopranstimme vorgetragen.

Das Barockorchester Concerto Poetico unter der Leitung von Konzertmeisterin Monika Baer und der Chor, dirigiert von Kantor David Bertschinger, harmonierten perfekt und gaben dem ganzen Werk eine wunderschöne Klangfülle. Bedrohlich und hoffnungsvoll zugleich schlägt Bach in seinem Werk einen grossen Bogen zwischen Vorherbestimmung, Leiden Christi und göttlichem Heilsplan und stimmt mit seiner Passion auf Ostern ein – mit der Auferstehung Christi als weiteren Schritt im göttlichen Heilsplan. Berührt von Werk und Darbietung erhob sich die Gemeinde in der reformierten Kirche Rapperswil zu einer «standing ovation» und lang anhaltendem Applaus. Damit setzte Kantor David Bertschinger einen grossartigen Schlusspunkt unter sein Wirken bei der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona.

Seine offizielle Verabschiedung findet am Sonntag, 22.5., um 10.00 Uhr in der reformierten Kirche Rapperswil statt.

Vergangenen Karfreitag wagte sich die Kantorei Rapperswil-Jona vor voller Kirche an dieses gewaltige, 2-stündige Werk von Johann Sebastian Bach mit seiner Dramatik, Harmonik und Farbigkeit.

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