Kommunikationsflut – mittendrin und doch allein

Mit diesem Tabu-Thema traf die Referentin Edith Wagen am Frauenfrühstück in Rapperswil den Nerv der heutigen Gesellschaft.

Trotz schwierigem Thema fanden sich am Samstagmorgen über neunzig Frauen zum Referat mit Frühstück und musikalischem Rahmenprogramm im Evangelischen Zentrum ein. Das Treffen wurde von Maria Bär moderiert und musikalisch begleitet von Beate Schäfer mit Werken von Chopin, Bach und Beethoven.

Facetten der Einsamkeit

Umjubelt und doch zu tiefst einsam, dieses Bild zeichnet sich laut Wagen oft bei bekannten Film- und Musikstars ab. Doch auch ganz normale Menschen kennen Zeiten von Einsamkeit, wenn das Grundbedürfnis nach Geborgenheit nicht erfüllt sei. Wie Herman Hesse es beschreibt: «Leben heisst einsam sein». Laut Definition umfasst Einsamkeit das Gefühl von innerer Leere, Trostlosigkeit, sich nicht akzeptiert und verstanden fühlen und wird ausgelöst durch Verlustsituationen, fehlende Nestwärme, Perspektivenlosigkeit. Erschreckenderweise führt die Schweiz laut Referentin weltweit die Statistik von Suiziden bei Jugendlichen an – und dies in einer Welt der Kommunikationsflut und totalen Vernetzung per Handy, Skype, Whatsapp, TV und Internet. Wagen spricht von einer virtueller Scheinwelt mit Suchtgefahr, von Ruhelosigkeit und digitaler Augenkrankheit als Begleiterscheinung dieser Kommunikationsflut. Es fehle an echten sozialen Kontakten, wie sie früher in Tante Emma Läden möglich waren. Die hypermoderne Gesellschaft verursache Einsamkeit. Verschiedene Faktoren bezeichnet sie als Auslöser: Automatisierung wie z.B. ein Billettautomat könne für ältere Menschen zu einer unüberbrückbaren Hürde werden und in die soziale Isolation führen. Aber auch der frühe Wegzug aus dem Familienverband in Einzelhaushalte berge Gefahren der Isolation. Sie selbst erlebte Einsamkeit als kinderlose Ehefrau im Familienverband. Scheidung, Arbeitslosigkeit, das Leere-Nest-Syndrom, Krankheit, Pensionierung oder Alter gelten als weitere Auslöser sowie fehlende Beziehungen.

Kreative Einsamkeit

«Um das Innere zu pflegen, braucht es Ruhe – selbst in einer Ehe», führt die Referentin an. Andererseits benötigt der Mensch aber auch Nähe, Freundschaft, Kommunikation, um nicht zu vereinsamen. Manchmal genüge ein «Telefonbüechli» gab Wagen schmunzelnd zu verstehen. Denn Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück. Von konstruktiver Einsamkeit spricht sie in Zusammenhang mit kreativer Arbeit. Viele wunderbare Werke in Kunst und Musik seien in der Abgeschiedenheit und der bewusst gewählten Einsamkeit entstanden. Reflektion und Stille benötige der Mensch, um das Leben zu überdenken, eine Beziehung mit Gott einzugehen und um Abschied zu nehmen.

Rettungsanker

"Eine Du-Beziehung mit Gott führt aus der Einsamkeit in die Fülle", bestätigt Wagen und erzählt aus ihrem Leben und ihrer Berufung in die kirchliche Gemeindearbeit als Ausweg aus der Kinder- und Arbeitslosigkeit. Nach ihren Worten führt die Trennung von Gott nach dem Sündenfall zu einem Vakuum. Weshalb die Suche nach Geborgenheit den Menschen bestimme. Sie rät Gottes helfende Hand zu ergreifen, um Frieden und Ruhe zu finden. Und beendet ihren Vortrag mit einem Zitat aus den Psalmen: "Wenn ich nur Dich habe Gott, so frage ich nichts nach Himmel und Erde" (Ps. 73, Vers 25)

Mit grossem Applaus wurde die Referentin verabschiedet. Der Vortrag beeindruckte die Besucherinnen und führte zu regen Gedankenaustausch.

Mit diesem Tabu-Thema traf die Referentin Edith Wagen am Frauenfrühstück in Rapperswil den Nerv der heutigen Gesellschaft.

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