Ebbe und Flut zum Jahresbeginn

Mittwoch, 3. Januar 2018

Rapperswil-Jona: Unter dem Titel „Wort und Musik zum Neujahr“ feiert die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona traditionell am ersten Januar den Beginn eines neuen Jahres. Diesmal begeisterte das „Ensemble la fontaine“ mit der Wassermusik von Georg Philipp Telemann. Ein interessiertes und begeistertes Publikum füllte das Evangelische Kirchenzentrum Jona bis auf den letzten Platz.

Unter der Leitung von Davide De Zotti eröffnete das auf alte Musik spezialisierte „Ensemble la fontaine“ mit der Ouvertüre C-Dur, die Telemann seiner die Suite „Ebb`und Fluth“ voranstellte, die eindrückliche Feier. Telemann schrieb dabei nicht eine Musik auf dem Wasser, sondern holte in seiner Komposition diese quasi in den Innenraum. Das Werk entstand zur Hundertjahrfeier der Hamburgischen „Admiralität“ und Telemanns Einfall war ein ideales Sujet für den genialen Klangmaler. Die Interpretationen der einzelnen Sätze waren ein wahrer Hörgenuss. Auf ihren Barockinstrumenten gestalteten die Künstlerinnen und Künstler die Musik auf eindringliche, ganz dem damaligen Spiel verpflichtete Weise und malten im wahrsten Sinne des Wortes die Bilder, die Telemann in Noten gesetzt hatte. Die neun Tänze entrollen den Zuhörenden eine Ansicht von mythologischen Gottheiten des nassen Elements. Zuerst wird die schlafende und nachher aufwachende Meeresnymphe Thetis dargestellt. Ihr folgt der verliebte Meeresgott Neptun und die spielenden Nymphen. Eine Harlequinade der Tritonen und der stürmische Windgott Aeolus folgen ihr.

Dialoge zwischen Luther und Zwingli

Pfarrer Heinz Fäh setzte zwischen die spannende Musik ein Zeichen zur Feier 500 Jahre Reformation in St. Gallen. In einem alphabetischen Ablauf liess er die beiden Reformatoren Luther und Zwingli im Originalton aus ihren Schriften zu Worte kommen. Dabei ging es unter anderen um Ablass, Glaube, Irrtum und Heuchelei. Zur Sprache kam das Wurstessen während der Fastenzeit, das zu einem Diskurs über das Essen allgemein führte oder um das Gebet, wobei das „Unser Vater“ morgens das Erste und abends das letzte sein sollte. Zwingli war es, der darauf beharrte, immer, im Glück wie im Unglück, auf Gott zu vertrauen. Die verschiedenen Meinungen und gegenseitigen Antworten liessen in der Darstellung von Pfarrer Heinz Fäh nachdenklich werden, entlockten aber oft auch ein Schmunzeln oder Lachen.

Am Reformierungsprozess teilnehmen

In seinem Grusswort stellte Dr. Peter Bosshard, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona die Frage, ob die Reformation bis in die heutige Zeit Auswirkungen zeige und er bejahte dies gleich. Kurz ging er auf die kommenden Aufgaben in baulicher Hinsicht ein und fragte sich wie es mit der persönlichen Bereitschaft stehe, am Reformierungsprozess teilzunehmen und diesen mitzugestalten. Alle müssten dazu beitragen, dass die Kirche lebendig bleibt, dass die Jungen auch dann einen Bezug zur Kirche haben, wenn sie ins Berufs und Familienleben hinaustreten, dass wir stolz drauf sein können, eine Gemeinschaft von Christen zu sein, die sich im Alltag bewährt.

Zum Abschluss musizierte das „Ensemble la fontaine“ ein Menuett, das Zephir, den Gott der lauen Winde darstellte, gefolgt von der Gigue „Ebb` und Fluth“, die das Thema erneut aufnahm. Mit der „Canarie der lustigen Bootsleute setzte die Musik deinen fröhlichen Schluss, der gleichzeitig den Anfang für ein glückliches neues Jahr markierte. Ein riesiger Applaus war Dank für eine Feier, die in dieser Art und Weise geschätzt wird.                                            

Text: Hansjakob Becker

Fotos: Hansjakob Becker
Pfarrer Heinz Fäh liess zum 500 Jahr Jubiläum Reformation, St. Gallen, die Reformatoren Luther und Zwingli im Originalton aus ihren Büchern sprechen.

Unter der Leitung von Davide De Zotti am Cembalo, begeisterte das „Ensemble la fontaine“ ein grosses Publikum im Evangelischen Kirchenzentrum Jona bei der Feier zum Neujahr.